6 Mai 2020

In der Vergangenheit wurden Waren für gewöhnlich als Massenstückgüter versandt. Im Grunde warf man einfach Kartoffelsäcke, Weinfässer und verschieden große Holzkisten mit Waffen auf Pferdekutschen, einige Zeit später auch auf Lastwagen. Dann fuhr man damit zum nächstgelegenen Bahnhof, wo die Ladung vom bisherigen Transportmittel weiter auf einen Eisenbahnwaggon verladen werden musste. Darauffolgend transportierte die Bahn die Güter zum nächstgelegenen Hafen, wo sie dann auf ein Schiff verladen wurden. Nach Ankunft im Zielhafen fand der gesamte Prozess noch einmal in umgekehrter Reihenfolge statt. Dieses System hatte einige Nachteile. Das Umladen nicht standardgemäßer und unverhältnismäßig großer Ladungen war zeit- und personalaufwendig, die Ladekapazität (insbesondere der Schiffe) war bei Weitem nicht optimal ausgelastet, die Güter waren ungenügend befestigt, was insbesondere bei Seestürmen ein hohes Risiko für Beschädigungen an der Ladung oder Verluste darstellte. Diese Risiken waren umso höher, da die Güter noch dazu nicht ausreichend geschützt wurden. Das machte es auch den Dieben einfacher.

 

Massenstückgüter

Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/8/85/Korean-war-merchant-marine-load.jpg/440px-Korean-war-merchant-marine-load.jpg

 

Bereits Ende des 18. Jahrhunderts tauchten die ersten kleineren Schiffscontainer mit einer Metall-Holz-Konstruktion auf. Jedoch verwendete jedes Transportunternehmen unterschiedliche Arten von Containern, die zudem noch nicht intermodal waren. So war es nicht möglich, sie für den Transport mit der Kutsche oder dem Lastwagen zu nutzen, nicht einmal für den Transport per Bahn oder Schiff waren sie geeignet. Erst das zwanzigste Jahrhundert – insbesondere die zweite Hälfte – bedeutete einen enormen Fortschritt in der Entwicklung von Schiffscontainern.

Während des Zweiten Weltkriegs begann die US-Armee mit Experimenten zum Containertransport. Die Erkenntnisse daraus nutzten Sie 1948, als sie den so genannten Transporter entwickelten – einen standardisierten, komplett aus Metall gefertigten, stapelbaren Container, der von einem Schiff direkt auf einen Lastwagen geladen werden konnte und umgekehrt. Seine Abmessungen betrugen 8′ 6“ (ca. 2,5m) in der Länge, 6′ 3“ (ca. 2m) in der Breite und 6′ 10“ (ca. 1,8m) in der Höhe. Der Transporter hat sich während des Koreakrieges (1950-1953) bewährt – dank ihm konnte die Armee die Versorgung ihrer Truppen erheblich beschleunigen und die Sicherheit der zu transportierenden Güter erhöhen. Gegen Ende des Koreakrieges verbesserte die US-Armee die Transporter noch ein wenig und entwickelte die so genannten CONEX-Kisten (CONtainer EXpress). Im Jahre 1967, etwa in der Mitte des Vietnamkrieges, setzte das US-Militär bereits mehr als 200.000 CONEX-Boxen ein.

 

CONEX-Kisten

Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Conex_box

 

Die Erfolge der US-Armee in der Logistik wurden von Reedereien auf der ganzen Welt wahrgenommen, und so begannen sie mit der Entwicklung eigener Lösungen für intermodale Container. Malcolm McLean, Eigentümer der McLean Trucking Company, spielte dabei eine wichtige Rolle. Im Jahre 1955 begann er, zusammem mit dem Maschinenbauingenieur und Erfinder Keith Tantlinger, an der Entwicklung eines modernen intermodalen Containers zu arbeiten. Das Ergebnis war ein 8 Fuß (ca. 2,5m) hoher, 8 Fuß (ca. 2,5m) breiter und 10 Fuß (ca. 3m) langer Container aus 0,098 Zoll (ca. 2,5mm) dickem Wellstahl mit einem Twistlok-Mechanismus an allen vier oberen Ecken zur einfachen Sicherung und um den Container mit einem Kran anheben zu können. McLean kaufte auch zwei Tankerschiffe der US-Armee, die im Zweiten Weltkrieg eingesetzt wurden, und ließ sie für den Transport dieser Container umbauen. Nach erfolgreicher Jungfernfahrt des ersten Containers im Jahre 1957 überzeugte Tantlinger McLean zur öffentlichen Freigabe der Containerkonstruktion und ebnete damit den Weg zur internationalen Standardisierung intermodaler Container.

 

Malcolm McLean, Eigentümer der McLean Trucking Company

Quelle: https://cs.wikipedia.org/wiki/Malcom_McLean

 

Nach einer Reihe von Diskussionen und Kompromissen zwischen internationalen Spediteuren und amerikanischen sowie europäischen Eisenbahn- und Straßentransportunternehmen einigten sich diese schließlich auf eine Normung von Maßen und Formen, die im Jahre 1968 in der ISO 668 festgehalten wurde. Bereits in dieser Norm sind die Maße die selben, wie wir sie heute kennen.

Die zunehmende Nutzung von Containern stellt einen wesentlichen Meilenstein in der Geschichte des internationalen Transportwesens dar, der zusammen mit weiteren Faktoren für die enorme Entwicklung des internationalen Handels verantwortlich ist. Heute wird der Anteil der Waren, die in intermodalen Standardcontainern transportiert werden, auf 90% geschätzt.

Dieser Artikel ist der Beginn einer dreiteiligen Miniserie über Seecontainer. Im kommenden Beitrag stellen wir die unterschiedlichen Arten von Containern vor und erklären, wozu Sie verwendet wurden und werden.